Es war einmal
Eintrag vom 10.02.2010Es war einmal ein Herz...
- nicht mehr und nicht weniger.
Es schlug nun einmal soviel, wie es nötig war.
sondern besaß nur ein schwaches blass rosa.
Das schlimme war,
dass es mit der Zeit immer mehr an Farbe verlor.
Der Lebenskampf hatte es geschwächt
und obwohl es noch nicht sehr alt war,
hatte es schon viele Falten.
So suchte es den härtesten Stein für die Wände,
dass massivste Holz für das Dach
und den stärksten Stahl für die Tür.
dachte das Herz,
konnte niemand mehr hinein zu ihm
und es verletzen
- niemand konnte es mehr zerreißen.
Endlich war es sicher.
Nun saß das kleine Herz in seinem Verschlag,
lugte hinaus durch die Fugen im Stein
und hörte über sich das knacken des Holzes.
Aber es schloss einfach die Augen und tat was es immer tat
- schlagen.
bis es ihm überdrüssig wurde.
So vergaß es manchmal einen Schlag zu tun.
Das Herz fragte sich,
was es überhaupt noch für einen Sinn hatte zu schlagen.
dass es sich zwar in Sicherheit vor allem Bösen befand,
es niemand mehr verletzen und enttäuschen konnte,
dass aber auch niemand mehr hineinkommen würde,
der mit ihm lachen täte,
jemand der Purzelbäume mit ihm schlagen würde
und es wärmte.
Es merkte einen fatalen Fehler begangen zu haben.
doch sie war zu schwer,
als das sie sich bewegen ließ.
doch außer, dass sich ein paar Brocken lösten,
passierte nichts.
Der Stein war zu gewaltig.
zog es sich nur einen dicken Splitter zu.
Panikartig saß das kleine Herz in seinem selbst gebauten Gefängnis
und schlug mindestens doppelt so schnell wie sonst.
in all seiner Trauer vergessen?
Wie gern würde es sich jetzt den Stürmen des Lebens hingeben,
sich vor Angst zusammenkrampfen,
vor Freude hüpfen, wenn es nur könnte.
und sah die anderen Herzen.
Einige waren blass, so wie es selbst.
Sie schlichen durchs Leben geduckt und allein.
Andere wiederum sprangen in leuchtendem Rot
- Hand in Hand über Stock und Stein,
unerschrocken und gestärkt vom anderen.
und es konnte seine Tränen nicht verbergen.
Da lagen Herzen im Staub mit Füßen getreten.
Sie waren weiß und regten sich kaum noch.
Sie schlugen vielleicht noch 20 Mal am Tag.
Niemand kümmerte sich um sie,
denn auch sie hatten einmal den Schlüssel
ihres Gefängnisses so gut versteckt,
dass niemand ihn fand.
dass es ihm noch gar nicht so schlecht ging.
Noch war es rosa und noch fühlte es etwas.
Es musste nur diesen Schlüssel finden zu seiner Stahltür.
und probierte alle Schlüssel die es finden konnte.
Es probierte sogar Schlüssel,
von denen es von Anfang an wusste,
dass sie nicht passen würden.
dass es wieder einen Fehler begangen hatte.
zu krampfhaft an die Sache gegangen.
Es verstand, dass man das Glück nicht erzwingen kann.
Frei ist man nur, wenn man frei denken kann.
und beschäftigte sich mit sich selbst.
und begann sich so zu akzeptieren wie es war,
blassrosa und faltig.
und eine innere Gewissheit,
dass es auf seine Art und Weise wunderschön war.
erst ganz leise und schnurrend
und nach und nach immer lauter und heller,
bis es ein klares zwitschern war,
wie das eines Vogels am Himmel.
Mit riesengroßen Augen starrte das Herz auf diese Stelle,
wo ein goldenes Schimmern zu erkennen war.
Das Herz traute seinen Augen nicht.
Da war der Schlüssel,
den es damals mit in den Stein eingemauert hatte.
Das hatte es durch all seinen Schmerz und Selbstmitleid vergessen
und jetzt wo es den Schlüssel in der Hand hielt,
fiel es ihm wieder ein,
wie es ihm vor all den Jahren so sicher erschien,
ihn nie wieder zu brauchen.
steckte das Herz ihn ins Schloss.
Mit lautem gequietsche schob sich die schwere Stahltür zur Seite.
schloss die Augen und atmete tief die frische Luft ein.
Es streckte die Arme aus,
drehte und wendete sich,
blickte nach oben und nach unten
und hörte gespannt mal hierhin und mal dorthin.
wie schön das Leben doch sei,
machte einige Hüpfer und begab sich auf den Weg
um Freunde zu finden.
war ein lustiger Geselle,
der das Leben zum Schießen komisch fand
und über 1000 Freunde hatte.
mit ihm alle erdenklich lustigen Sachen angestellt hatte,
merkte das Herz,
dass diesem "Freund" einiges fehlte;
- der Tiefgang.
mit dem es nur lachen aber nie weinen konnte?
Mit dem es nur durch
"Dick" aber nie durch "Dünn" gehen würde.
allein, aber reich an einer neuen Erfahrung.
Bis es auf eine Gruppe anderer Herzen stieß.
Es war ein ganz neues Gefühl von Zugehörigkeit.
Da war nun eine große Gruppe,
wie eine „Familie" die zusammenhielt,
wo alle gleich waren.
tranken den gleichen Tee,
aßen vom gleichen Brot
und gestalteten jeden Tag gleich.
- eine Zeitlang,
bis es spürte,
dass auch dies nicht das richtige Ziel sein konnte,
denn auch seinen vielen neuen Freunden fehlte etwas
- die Individualität.
der Eigenständig war
und sein Leben selbst planen wollte.
und genoss sein eigenes Leben.
um 203 Kurven
und 24 Berge und Täler,
bis es an einem Haus ankam,
dass mit Stacheldraht umzogen war.
das hieß,
dass tatsächlich jemand in diesem Haus leben würde.
In einem Haus,
das nicht einmal Fenster hatte.
wie es selbst einmal gelebt hatte.
Wie sehr es damals gehofft hatte,
dass jemand ihm helfen würde
und doch niemand sein stummes Flehen erkannt hatte.
dass es ihm aus eigener Kraft gelungen war
und es war sehr stolz darauf.
aus seinem Verlies zu kommen?
und versuchte den Stacheldraht zu durchtrennen.
Aber nach einiger Zeit verließen es die Kräfte.
Auch dieses Herz hatte keine Mühe gespart,
für sich den stärksten Stacheldraht zu finden.
sondern nur ahnen konnte was das für ein Herz war,
fühlte es eine starke Bindung zu ihm.
um den anderen wenigstens nah zu sein.
vor der gleichen dicken Stahltür, wie einst seiner
und begann zu reden.
Es erzählte von seinem Schicksal.
Erzählte ihm,
was ihm alles in seinem Leben widerfahren war
und es hörte ein Schluchzen hinter der dicken Tür.
Unermüdlich sprach das Herz weiter.
Über die lustigen Sachen,
die es mit seinem 1. „Freund" erlebt hatte,
über die Wärme,
die es bei seiner „Familie" erfahren hatte
und es vernahm ein leises glucksen von innen.
Erst leise,
bis es immer lauter sich in ein gellendes Lachen verwandelte.
Es wollte hinaus zu ihm, und es sehen.
Es wollte mit ihm gehen und mehr mit ihm Lachen und Weinen.
Es wollte sich an seine Schulter lehnen,
sich an es drücken und es nie wieder verlassen.
aber was sollte es nur tun?
Wie auch bei ihm früher,
wusste das andere Herz nicht mehr,
wo es den Schlüssel versteckt hatte.
um den Schlüssel zu suchen.
Nur wo sollte es anfangen?
Es lief ziellos umher,
suchte hinter Büschen,
auf Bäumen,
tauchte in Seen danach;
fragte alle die seinen Weg kreuzten,
aber niemand wusste Rat
und nirgends fand es den Schlüssel.
Krabbelte durch das Loch unterm Zaun
um die schlechte Nachricht zu überbringen.
Doch zu seinem Erstaunen,
fand es die schwere Stahltür geöffnet.
Wie war das möglich gewesen?
- dachte das Herz.
und liebevolle Stimme hinter sich.
mit glühenden Wangen.
" Ich habe hier auf dich gewartet "
- sagte das kleine Herz.
"Ich habe erkannt,
dass man es im Leben nur aus eigener Kraft schaffen kann,
aus seinem Gefängnis zu entkommen.
Doch so viel Kraft konnte ich nur durch dich erlangen.
Durch deine Liebe zu mir
und meiner Liebe zu dir
habe ich den Schlüssel zur Tür meines Herzens gefunden,
der mir gleichzeitig die Tür meines Verlieses öffnete".
und gingen von nun an alle Wege gemeinsam,
ihr Herzschlag im gleichen Rhythmus
bis an ihr Lebensende.
