Neue Freundschaften über das Internet schließen
Eintrag vom 20.12.2009Freundschaften die über das Internet geschlossen wurden haben immer nocheinen schlechteren Ruf als vergleichbare Freundschaften, die im Café oder inder Schule ihren Anfang nahmen. Schnell kommen verschiedene Vorbehalte imBekanntenkreis auf. Haben sie womöglich recht? Ist eine"Internet-Freundschaft" tatsächlich weniger wert? Sollte man eswomöglich für sich behalten, wie man seine Freundin oder sogar seinenLebenspartner damals kennen gelernt hat? Oder besser es gar nicht erzählen,dass man einen Teil seiner Freizeit in Chaträumen verbringt? Klar ist: Es wirdimmer Personen geben, die Einwände erheben - genau so wie es immer Leute gebenwird, die gegen das Autofahren oder gegen Inline Skating sind. Aber würde einAutofahrer auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, weil es Autounfälle gibt?Man sollte daher einmal nachdenken, wo diese Bedenken ihren Ursprung habenkönnten. Bekannt ist, dass sich natürlich auch Personen mit zweifelhaftenAbsichten in Chats oder Social Networks herumtreiben. Diese Gefahr lässt sichjedoch leicht bannen: Erstmal in Ruhe Schriftwechsel mit der Person gegenüber,Fototausch, telefonieren. Nichts überstürzen - und aufmerksam werden, wenn derGegenüber plötzlich anfängt zu "drängeln". Eine weitere Ursachekönnte das Bild des "einsamen pickeligen Informatikstudenten" sein,der den ganzen Tag im Chat hängt und dessen einziger Freund der graue Kastenvor ihm ist. (An dieser Stelle sei gesagt: Es ist nur ein Beispiel. Es könntegenauso gut ein Physikstudent sein, oder ein Fließbandarbeiter einesAutoherstellers.) Manche Menschen assoziieren mit dem Begriff "Internet-Freundschaft"gleich, man wäre nicht in der Lage auch auf anderem Wege Kontakte aufzubauen.Diese Ansicht kann sich mit vielen anderen Vorurteilen in eine Reihe stellen.Es sei aber erwähnt, dass dieses Vorurteil zunehmend schwindet - schließlich istdiese Art der Kontaktfindung beispielsweise für die meisten heutigen Teenagerschon vollkommen normal. Dem gegenüber stehen die Vorzüge von Online-Kontakten:Man lernt Leute aus Gegenden kennen, an die man sonst niemals gedacht hätte.Religiöse Zugehörigkeiten, Dialekte, Schüchternheit - all das spielt plötzlichkeine Rolle mehr. Es ist eine neue Erfahrung: Wer Spaß an Reisen hat, freutsich über neue Freunde in Berlin, Bayern oder Hamburg. Auch Studenten mit einemAuslandssemester können schon vor Semesterbeginn die ersten Kontakte in ihrerneuen Umgebung knüpfen - so fällt der Einstieg gleich viel leichter. Und werdoch lieber in seiner unmittelbaren Umgebung seine Kontakte pflegt, wird ebensoschnell fündig. Und spätestens wenn man zusammen mit alten und neuen Freundengemütlich an der Bar oder im Wohnzimmer sitzt, sind alle Vorurteile vergessen.Dann heißt es nur noch: "Ich habe die Chance genutzt".
